Zurück

T i p s     v o m     S p o r t a r z t

Sofortmaßnahmen
bei Verletzungen
der Weichteile

Ein Beitrag von Bernd Lasarzewski

Zu den Weichteilverletzungen zählen neben Muskel- und Sehnenverletzungen auch die Läsionen im Bereich der Gelenke und der Bandverbindungen sowie Schäden, die in Verbindung mit Knochenbrüchen auftreten.

Unfallhergang

Weichteilverletzungen treten im Fußballsport durch Fußtritte oder ein Zusammenprallen der Spieler auf. Bei diesen recht häufigen Ereignissen kommt es zu Zerreißungen von unterschiedlich großen Blutgefäßen und ihrer Umgebung. Hierbei erfolgt ein Austreten von Blut in das umgebende Gewebe. Es entsteht eine lokale Schwellung mit Schmerz und einem erhöhten Druck im Bereich der Muskulatur und im weiteren Weichteilgewebe unter der Haut. Dieser erhöhte Druck wirkt schmerzverstärkend. Ein ähnlicher Vorgang spielt sich auch bei anderen Verletzungen, zum Beispiel Muskelzerrungen, Muskelfaserrissen oder auch Einrissen in den Sehnen und bei Knochenbrüchen ab.

Sofortmaßnahmen

Die erste Untersuchung sollte noch auf dem Spielfeld oder auf der Auswechselbank durch den Trainer, den Physiotherapeuten oder einen eventuell anwesenden Arzt erfolgen. Bei leichten Prellungen kann der Spieler den Spielbetrieb eventuell sofort wieder aufnehmen. Ist die Diagnose jedoch unklar, so sollte eine eingehende Untersuchung an einem geeigneten Ort (zum Beispiel in der Kabine) durchgeführt werden. Hierbei muß zunächst festgestellt werden, wie weit die Muskulatur noch belastbar ist und die umgebenden Gelenke zu bewegen sind. Bei dieser etwas intensiveren Untersuchung hat der Sportler natürlich den verletzten Bereich soweit zu entkleiden, daß ein direkter Blick auf die Haut sowie die (benachbarten) Gelenke möglich ist. Alte elastischen Binden, Tape-Verbände sowie Schutzpolster sind zu entfernen. Bei dieser Untersuchung muß zunächst der Spieler zum Unfallhergang und zu den bestehenden Schmerzen befragt werden. Zu achten ist auf Blutergüsse, Schwellungen, Druckschmerzen sowie eine mögliche abnorme Beweglichkeit im Bereich der Gelenke oder der Knochen.

Ist die Untersuchung erfolgt und es stellt sich heraus, daß hier nur eine leichte Verletzung entstanden ist, welche nicht in einem Krankenhaus behandelt werden muß, so sollte die Erstbehandlung so rasch wie möglich einsetzen.

Verhaltensmaßnahmen

Ziel der ersten Behandlung bei leichteren Verletzungen ist es, die auftretende Schwellung zum Stillstand zu bringen. Dies erfolgt zunächst durch eine Kombination von Kälteanwendungen, Kompressionsverbänden, Hochlagerung und Ruhigstellung (der verletzten Extremität). Durch diese Maßnahme erhält der eigene Körper Unterstützung bei der Blutstillung und der Reduzierung der Schwellung.

Kälteanwendung

Zunächst sollte die verletzte Körperpartie gekühlt werden. Die Kühlung hat folgende Effekte:

Damit die Kälteanwendung wirklich effektiv ist, muß sie tief genug in das Körpergewebe eindringen und darum über einen längeren Zeitraum angewendet werden. Nach Möglichkeit sollte die Kältetherapie für 20 bis 30 Minuten durchgeführt werden. Nach einer gewissen Pause kann dann eine erneute Kühlung des verletzten Bereiches erfolgen.

Direkt auf der Haut darf nur eine sehr kurzfristige (wenige Sekunden oder auch nur Minuten) durchgeführte Kühlung erfolgen. Sonst ist es dringend erforderlich, daß ein Handtuch oder eine elastische Binde zunächst die Haut abdeckt und darauf dann Eis oder Kältepackungen zur Anwendung kommen.

Verschiedene Methoden der Kälteanwendung stehen zur Verfügung. Am sinnvollsten und effektivsten erscheint uns die Verwendung von zerstoßenem Natureis oder von Eiswasser. Des weiteren läßt sich jedoch ein guter Kälteeffekt auch über fertige Kältepackungen erreichen. Diese mehrfach zu verwendenden Kältepackungen stellen sicherlich die einfachste Methode der Kältetherapie dar. Sie müssen lediglich vor dem Spiel in einem Eisfach gekühlt werden. Nach dem Spiel werden sie wieder in den Eisschrank gelegt und stehen somit recht bald wieder zur Verfügung.

Eine weitere Möglichkeit der Kältetherapie sind die Kältesprays, die jedoch von uns nicht empfohlen werden. Die Kälteentwicklung ist zwar sehr stark, jedoch ist der Kühleffekt nur solange vorhanden, wie auch das Spray angewendet wird. Da dies nicht über einen Zeitraum von mehreren Minuten möglich ist, kommt es häufig durch die Kältesprays zu einem Rebound-Effekt (wie beim Schneeballwerfen): Wird der Sprühvorgang abgebrochen, kommt es zu einem überschießenden Ausdehnen der Blutgefäße, wodurch eine verstärkte Schwellung entsteht. Ein weiterer Nachteil der Kältesprays besteht darin, daß es leicht zu Hautschäden kommen kann (Erfrierungen).

Druckverbände

Gleichzeitig mit der Kühlung sollte man einen Druckverband anlegen, durch den es ebenfalls zu einer Reduktion einer auftretenden Schwellung und verminderten Blutung in das Weichteilgewebe kommt. Diese Druckverbände sollten am besten mit in Eiswasser gekühlten elastischen Binden erfolgen. Sie können ruhig für einen längeren Zeitraum (bis zu zwei Stunden) belassen werden, sollten dann jedoch wieder gelockert werden, um eine normale Blutzirkulation zuzulassen. Wir führen hauptsächlich Druckverbände mit einer Kältetherapie kombiniert durch, indem wir festen Schaumstoff zu einem kleinen Polster (zwei bis drei Zentimeter dick) zusammenkleben und diesen dann in Eiswasser einlegen. Ist es dann erforderlich eine Kältetherapie mit Druckverband durchzuführen, so ist der Schaumstoff im Bereich der Verletzung auf die Haut aufzulegen und anschließend mit der elastischen Binde als Druckverband anzulegen.

Hochlagerung

Auch diese Methode hat den Sinn, den Blutzufluß zu dem verletzten Körperbereich zu reduzieren. Die Hochlagerung sollte, wenn möglich, so erfolgen, daß die verletzte Extremität höher als das Herz gelagert wird. Bei ausgeprägten Schwellungen sollte eine Hochlagerung über 24 bis 48 Stunden erfolgen.

Wärmebehandlung

Eine Wärmebehandlung ist direkt nach einer Verletzung sowie im Verlauf der ersten 48 Stunden nicht angezeigt. Denn hierdurch würde der Prozeß der Blutstillung und Abschwellung reduziert werden, was dazu führen kann, daß eine ausgeprägte Schwellung und ein ausgeprägter starker Bluterguß entstehen. Als Resultat kann es dann zu einem vermehrten Druck- und Schmerzgefühl im Bereich der Verletzung kommen. Eine Wärmetherapie sowie auch eine Massage sollte nur bei bestimmten Verletzungen und frühestens nach 48 Stunden erfolgen.

Ärztliche Untersuchung

Sollte eine sehr starke Weichteilschwellung oder ein starker Bluterguß vorliegen, hat grundsätzlich eine ärztliche Untersuchung zu erfolgen, um mögliche größere Schäden, wie zum Beispiel Einrisse in die Muskulatur auszuschließen. Falls auf dem Sportplatz keine klare Diagnose zu stellen ist, sollte eine weitere Untersuchung in der Klinik stattfinden, da die Gefahr besteht, Sehneneinrisse oder Knochenbrüche zu übersehen.


In Wasser getränkter Schaumstoff sowie eine elastische Binde sind für eine Druckverband nötig. Wie dieser angelegt wird, zeigen die Fotos von links nach rechts.

Zusammenfassung

Nur wenn sichergestellt ist, daß lediglich eine Weichteilverletzung mit Bluterguß und Schwellung und keine schlimmeren Verletzungen vorliegen, sollte eine Therapie durch den Sportler oder den Trainer selber durchgeführt werden. Bei allen unklaren Verletzungen ist es zwingend erforderlich, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Folgende Sofortmaßnahmen sollten jedoch bei so gut wie allen Verletzungen am Spielort durchgeführt werden:

1. Erstuntersuchung auf dem Sportplatz oder der Kabine, indem der verletzte Bereich vollständig entkleidet wird.

2. Kälteanwendungen mit zerstoßenem Eis, Eiswasser oder Kältepackungen.

3. Druckverband, gegebenenfalls kombiniert mit einer Kälteanwendung.

4. Hochlagern des verletzten Körperteiles.

5. Ruhigstellung, falls starke Schmerzen bestehen.

6. Ärztliche Untersuchung bei dem Verdacht auf größere Verletzung oder unsicherer Diagnose.