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Muskelverletzungen I

Ein Beitrag von Bernd Lasarzewski
Bis zu 30 Prozent aller Sportverletzungen sind Verletzungen der Muskulatur. Die Bedeutung der Muskelverletzung wird aber häufig unterschätzt, weit die Patienten meistens sehr rasch wieder ihren regelmäßigen täglichen Aktivitäten nachgehen können und dabei auch relativ schmerzfrei sind. Viele Verletzungen benötigen jedoch noch einen längeren Zeitraum bis zur völligen Ausheilung. In einer zweiteiligen Serie beschäftigen wir uns mit diesen Aspekten. Teil I behandelt den Aufbau des Muskels, allgemeine Bedingungen, die die Entstehung von Muskelverletzungen begünstigen können sowie die "harmlosen" Muskelverletzungen Muskelkater und -krampf.

Mehr als 300 unterschiedliche Einzelmuskeln können in unserem Körper abgegrenzt werden. Jeder einzelne Muskel besitzt einen körpernahegelegenen Ursprung und einen körperferngelegenen Ansatz.
Der Ansatz oder Ursprung des Muskels geht entweder direkt in die Knochenhaut/Knochen über oder besitzt eine mehr oder weniger lange Sehne. Jeder einzelne besteht aus Tausenden von Muskelfasern, welche wiederum zu größeren Muskelbündeln zusammengefaßt sind. Der gesamte Einzelmuskel ist von einer dünnen, sehnigen Haut umschlossen.
Die Fasern lassen sich in langsame Muskelfasern (rote Fasern) und schnelle Fasern (weiße Fasern) unterteilen. Die langsamen Muskelfasern verfügen über ein größeres Maß an Ausdauer und sind somit für dynamische, längere Belastungen ausgelegt. Die weißen Fasern sind besonders für die statischen Belastungen von hoher Intensität von Bedeutung. Die Zusammensetzung der einzelnen Muskelfasern ist individuell sehr verschieden. Bei den Sprintern überwiegen die schnellen Fasern, bei Langstreckenläufern die langsamen Fasern.
Die Muskelverletzungen können die gesamte Einheit des Muskels von seinem Ursprung am Knochen über die Sehnen bis hin zum Ansatz betreffen. Durch die recht gute Durchblutung heilen aufgetretene Verletzungen relativ schnell und gut aus. Fast jede Muskelverletzung geht mit einer mehr oder weniger starken Blutung einher, die die Heilung behindern kann, so daß es notwendig ist, eine größere Blutansammlung zu verhindern.
Mit Ausnahme der direkten, stumpfen Gewalteinwirkung auf den Muskel (Prellung) gibt es eine Reihe von Faktoren, die die Entstehung einer Muskelverletzung begünstigen können:


Die Muskulatur kann durch direkte Gewalteinwirkung oder durch Überlastung geschädigt werden. Bei beidem entsteht eine Blutung, welche sich entweder im Muskel selbst oder zwischen den einzelnen Muskellogen ausbreiten kann.
Die meisten Muskelverletzungen sind recht harmlos, da sie gut verheilen. Jedoch sind sie für den Sportler oft ärgerlich, weil sie eine längere Sportpause bedingen.

 

Der Muskelkater

Nach einem anstrengenden Training, speziell in der Vorbereitungsphase, kann es zu dem typischen Bild eines Muskelkaters mit Bewegungsschmerz im Bereich der Muskulatur kommen. Dabei kommt es zu kleinsten Einrissen im Muskel mit gleichzeitig auftretender leichter Schwellung. Der Muskelkater selber ist kein ernsthaftes Problem und verschwindet ohne weitere Therapie nach einigen Tagen.
Sollte ein Sportler über Muskelkater klagen, ist es sinnvoll, das Training etwas zu verändern und die lntensivität zu reduzieren. Wichtig ist es auch für den Übungsleiter, das Trainingspensum zu Beginn einer neuen Saison behutsam aufzubauen.

Muskelkrämpfe

Am häufigsten treten Muskelkrämpfe bei Athleten mit einer hohen Ausdauerbelastung wie etwa im Verlaufe eines Fußballspieles oder eines Langstreckenlaufes auf. Der exakte Entstehungsmechanismus für einen Muskelkrampf ist noch nicht bekannt, jedoch gibt es verschiedene Ursachen, welche die Entstehung von Muskelkrämpfen begünstigen können: Die wahrscheinlichste Ursache ist wohl ein größerer Flüssigkeitsverlust im Laufe einer stärkeren Belastung und dann womöglich noch bei warmer Witterung. Jedoch können auch leichte mechanische Veränderungen, zum Beispiel eng sitzende Socken oder zu eng geschnürte Schuhe, Kälte oder auch Krampfadern die Entstehung von Muskelkrämpfen begünstigen.
Der Muskelkrampf wird im Grunde genommen dadurch behoben, daß die entsprechende Muskulatur vorsichtig wieder aufgedehnt und leicht massiert wird. Auf keinen Fall sollte ein verkrampfter Muskel mit großer gegenläufiger Gewalt aufgedehnt werden, da es dabei nur zu noch weiteren Verletzungen im Bereich der Muskulatur kommen kann.
Um Krämpfen vorzubeugen, sollte sich jeder Sportler vor der Belastung intensiv auf wärmen und intensiv dehnen. Während der sportlichen Belastung sollte genügend Flüssigkeit aufgenommen werden und auf eine korrekt sitzende Ausrüstung sollte ebenfalls geachtet werden. Sollte es bei einem Sportler trotzdem häufig zu Krämpfen kommen, muß eine ärztliche Untersuchung (Blutabnahme) durchgeführt werden, um nach spezifischen Ursachen zu forschen.