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Bandverletzungen
im Kniegelenk

Ein Beitrag von Bernd Lasarzewski

Der Kreuzbandriß gehört zu den langwierigsten Verletzungen, die sich ein Sportler Überhaupt zuziehen kann. Doch die sportmedizinischen Fortschritte der vergangenen Jahre sorgen dafür, daß die scheinbar so niederschmetternde Diagnose praktisch nie mehr gleichbedeutend mit dem Karriereende ist.

Die jüngsten Beispiele belegen die medizinischen Fortschritte eindrucksvoll: Ob Lothar Matthäus, Karl-Heinz Riedle, Oliver Kahn oder die Nationalspielerin Doris Fitschen - alle jagen inzwischen wieder dem Fußball nach. Diese Beispiele belegen, daß Bandzerreißungen im Kniegelenk im Fußball häufig vorkommen.

Unfallereignis

Bandverletzungen treten meistens beim Körperkontakt mit dem Gegner und gleichzeitigem starken Verdrehen des Kniegelenks, welches über das Normale des Bewegungsausmaßes hinausgeht, auf. Eine häufige Erklärung der Patienten zum Unfallhergang ist beispielsweise: "Als ich zum Kopfball hochgegangen bin, wurde ich von meinem Gegenspieler gerempelt und verdrehte mir bei der Landung auf dem Boden das Knie."
Die verschiedenen Bänder am Kniegelenk (Innenband, Außenband und vorderes sowie hinteres Kreuzband) wirken bei der Gelenkstabilisierung zusammen. Die häufigsten Verletzungen betreffen jedoch das Innenband sowie das vordere Kreuzband.

Symptome

Die nach der Verletzung auftretenden Symptome sind folgende: Meistens tritt ein ausgeprägter Schmerz im Augenblick des Unfalls auf, welcher jedoch relativ schnell wieder abklingt und erst wieder akut wird, wenn das Gelenk erneut belastet wird. Bei einem gerissenen vorderen oder hinteren Kreuzband tritt fast immer eine starke Schwellung im Bereich des Kniegelenks auf. Das sehr wichtige Symptom der Gelenkinstabilität ("Beim vorsichtigen Gehen - z.B. beim Hinuntergehen einer Treppe geht mein Kniegelenk nach innen weg") wird von der verletzten Person im akuten Stadium meist nicht bemerkt. Diese lnstabilitätsgefühle treten meist erst später bei dynamischer oder statischer Belastung auf.

Diagnose

Kniegelenk

Um die verletzten Strukturen genau zu erkennen, steht an erster Stelle der Diagnose natürlich die klinische Untersuchung. Bei ihr findet der untersuchende Arzt häufig ein stark geschwollenes Kniegelenk, bei Verletzungen des Innenbandes einen Druckschmerz im Verlauf des Innenbandes sowie eine Aufklappbarkeit des Kniegelenks auf der Innenseite vor. Zusätzlich kann bei einem verletzten Kreuzband eine schubladenartige Bewegung des Unterschenkels gegenüber dem Oberschenkel auftreten. Sollte der behandelnde Arzt bei der Untersuchung keine sichere Diagnose stellen können, erhält er durch eine Computer-Tomographie beziehungsweise eine Kernspin-Untersuchung wertvolle Zusatzinformationen.

Behandlung

Die möglichst schnelle und korrekte Behandlung von Bandverletzungen im Kniegelenk ist sehr wichtig, um mögliche Spätschäden im Gelenk (z.B. Knorpelschäden, Arthrose) vorzubeugen. Die meisten gerissenen Kreuzbänder gehören operiert. Hierzu erfolgt zunächst unter Narkose noch einmal eine eingehende Untersuchung, anschließend die Gelenkspiegelung (siehe Fußball-Trainer 8/97 "Meniskusschäden"), um Begleitverletzungen (Meniskusschäden, Knorpelverletzungen usw.) auszuschließen beziehungsweise gegebenenfalls zu therapieren. Gleichzeitig wird bei der Gelenkspiegelung auch das weitere operative Vorgehen festgelegt, ob zum Beispiel das gerissene Kreuzband erhalten werden kann (in weniger als fünf Prozent der Fälle), oder ob eine Ersatzplastik beispielsweise aus dem mittleren Drittel der Kniescheibensehne (Patellasehne) erfolgen muß.
Noch vor einigen Jahren wurden große operative Schnitte benötigt, um ein Kreuzband zu ersetzen. Heute ist man zu weniger verletzenden Eingriffen übergegangen: Den Ersatz des Kreuzbandes über eine Gelenkspiegelung oder über einen "Mini-Schnitt".
Zerrissene Innenbänder werden nur noch ausgesprochen selten operiert. Es erfolgt jedoch bei Verdacht auf einen Innenbandabriß die Gelenkspiegelung, um weitere Schäden im Gelenk auszuschließen. Sollte sich jedoch bei dieser Arthroskopie herausstellen, daß es auch zu einem massiven Einreißen der Gelenkkapsel auf der Innenseite gekommen ist, erfolgt die Naht der geschädigten Gelenkkapsel und gleichzeitig die Naht des Innenbandes.

Rekonvaleszenz und Rehabilitation

Bei einem gerissenen vorderen Kreuzband ist eine früh einsetzende und intensive krankengymnastische Behandlung notwendig. In der ersten Phase werden lediglich langsame Bewegungsübungen ohne große Belastungen durchgeführt. Ab der sechsten bis achten Woche nach der Operation erfolgen dann intensive Übungen mit gleichzeitigem Muskeltraining. Nach drei bis vier Monaten dürfen die Patienten wieder mit Lauftraining sowie vorsichtig mit einem sportartspezifischen Training beginnen. Nach etwa sechs Monaten sollten die Patienten wieder in ihrer Sportart voll eingesetzt werden können.
Bei den verletzten Innenbändern erfolgt die Nachbehandlung zunächst mit Ruhigstellung mit in Knieführungsschiene oder in Ausnahmefällen auch mit einem festen Kunststoffgips. Diese stabilisierenden Maßnahmen erfolgen bei dieser Verletzung für etwa vier bis sechs Wochen. Danach setzt auch hier eine intensive Krankengymnastik ein, so daß der Patient im Regelfall nach sechs bis acht Wochen seine Sportart wieder ausüben kann.

Hinteres Kreuzband und Außenband

Die Verletzungen des hinteren Kreuzbandes sowie des Außenbandes werden in ähnlicher Form behandelt und therapiert wie das vordere Kreuzband oder Innenband, jedoch kommen diese Verletzungen viel seltener vor. Das Verhältnis liegt bei etwa 30 bis 40:1.