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Ermüdungsbrüche

Ein Beitrag von Bernd Lasarzewski

Ermüdungsbrüche (oder auch sogenannte Streßfrakturen) treten durch eine langandauernde, ständig wiederkehrende gleichförmige Belastung auf. Bekannt sind die Ermüdungsbrüche auch als Marschfrakturen, zum Beispiel bei Mititärangehörigen. Meistens geht diesen Brüchen eine Reizung oder Entzündung der Knochenhaut voraus.

Ursachen

Verschiedene Gründe können das Auftreten von Ermüdungsbrüchen verursachen. Bei einem normal kräftigen Knochen sind häufig zu hohe Wiederholungszahlen innerhalb einer Belastung für einen solchen Bruch verantwortlich. Ein weiterer Grund ist die sehr intensive Belastung bei nur geringer Belastungsfrequenz, die beim Training mit Gewichten entsteht, wie zum Beispiel das wiederholte Sprinten mit einem Partner auf dem Rücken. Eine solche Belastung ist natürlich besonders gefährlich, da es hierbei auch zu anderen Überlastungsschäden an Muskeln und Sehnen kommen kann. Aber auch ungewohnte Belastungen können eine Streßfraktur hervorrufen.
Röntgenbild Es gibt verschiedene Theorien zum Entstehen der Ermüdungsbrüche, wobei die erste Theorie von der "Materialermüdung" ausgeht. Bei einem ständig wiederkehrenden Hin- und Herbiegen eines dünnen Metalldrahtes kommt es irgendwann zum Überschreiten des Materialwiderstandes und dieser Draht bricht durch.
Ähnlich ist es beim menschlichen Körper. Nur werden die einzelnen Knochen noch durch die Muskulatur verspannt, so daß die Bewegung, die in einem Knochen auftritt, relativ gering ist.
Hat sich jedoch der Sportler über ein bestimmtes Maß hinaus belastet, stabilisiert die zur Verspannung des Knochens zuständige Muskulatur den Knochen nicht mehr ausreichend. Es entstehen Mikrobewegungen im Bereich des Knochens und es kann dann zu einem Streßbruch kommen.
Die Überlastungstheorie geht davon aus, daß bestimmte Muskelpartien mit ihrer Kraft derartig stark am Knochen ziehen, daß dieser in eine bestimmte Spannung gebracht wird, bis irgendwann die Stabilität des Knochens überschritten ist und dieser schließlich bricht.
Diese Streßfrakturen können bei Menschen jeden Alters auftreten und gerade Fußballspieler sowie Langstreckenläufer sind häufig davon betroffen.

Lokalisation

Im Fußballsport sehen wir die meisten Ermüdungsbrüche im Bereich des fünften Mittelfußknochens sowie im Bereich des Unterschenkels. Allerdings läßt sich die Fraktur in einem Verhältnis von zirka fünf zu eins häufiger am Mittelfußknochen feststellen. Im Bereich der Arme treten Ermüdungsbrüche ausgesprochen selten und dann hauptsächlich bei Turnern oder Werfern auf.

Symptome und Diagnose

In den meisten Fällen beginnt die Symptomatik bei den Streßfrakturen schleichend, so daß der Sportler anfangs nur einen leichten Schmerz im Bereich des veränderten Knochens bemerkt. Die Schmerzen treten dann meistens unter Belastung auf und sind im Ruhezustand wieder verschwunden. Stellt sich ein Sportler mit derartigen Beschwerden im Bereich eines Knochens bei einem Arzt vor, muß dieser zumindest an einen Ermüdungsbruch denken. Sollte sich auf den zunächst angefertigten Röntgenaufnahmen kein Hinweis auf eine Streßfraktur zeigen, so muß spätestens in sieben bis zehn Tagen eine zweite Röntgenaufnahme oder auch eine Skelettszinitgraphie durchgeführt werden.
Häufig werden jedoch die ersten Symptome eines Ermüdungsbruches ignoriert und der Fußballspieler belastet sich trotz gewisser Schmerzen weiter. Es kommt dann zu einer typischen Situation, in der der Spieler zu einem Kopfball hochsteigt und bei der Landung einen stechenden Schmerz im Fuß oder im Unterschenkel verspürt. Eine leichte Schwellung sowie gelegentlich auch eine blutige Verfärbung folgt. Die dann angefertigte Röntgenaufnahme zeigt recht deutlich den Ermüdungsbruch.
Andererseits gibt es auch immer wieder Sportler, die vor dem entstandenen Bruch nie über Beschwerden geklagt haben, obwohl eine Röntgenaufnahme zeigt, daß der Patient schon längere Zeit den verletzten knöchernen Bereich überlastet hat. Auf den Röntgenaufnahmen läßt sich dann um die Bruchlinie eine sogenannte Kallusbildung (spindelförmige Verdickung) erkennen.

Behandlung

Je nach Lokalisation des Ermüdungsbruches kommen unterschiedliche Therapien zum Ansatz. Im Bereich des fünften Mittelfußknochens bevorzugen Sportärzte zur Zeit die innere Schienung mit einer Schraube (siehe Foto). Gerade bei dieser Methode ist es möglich, daß der Patient nach einer Entlastungsphase mit einer maximalen Belastung von 20 Kilogramm innerhalb von drei bis vier Wochen wieder voll belastbar ist. Schon nach vier bis sechs Wochen, je nach Röntgenbefund kann auch wieder mit leichter sportlicher Betätigung begonnen werden.
Außerdem kann gerade im Bereich des Unterschenkels oder des zweiten und dritten Mittelfußknochens eine Gipsruhigstellung für sechs Wochen Heilung bringen. Freilich muß dann der Patient wieder vorsichtig an die Belastung herangeführt werden. Bei allen Patienten, bei denen Ermüdungsbrüche vorgekommen sind, sollte man auf ein gutes Schuhwerk achten, gerade wenn es sich um Ermüdungsbrüche im Bereich des Fußskelettes handelt. Eine vernünftige Einlagenverordnung ist hier sicherlich auch sehr sinnvoll.